Down-Syndrom und Autismus
Unter Down-Syndrom PLUS werden solche Kennzeichen gelistet, die zwar häufiger als durchschnittlich bei Menschen mit Down-Syndrom auftreten, jedoch nicht so häufig, daß sie zum "klassischen" Syndrombild der Trisomie 21 gezählt werden können. Dazu gehören unter anderem auch Autismus und BNS-Krämpfe. (siehe Rehakids-Wiki) BNS-Anfälle und Autismus sind also nicht "typisch" für Down-Syndrom!
Autismus betrachte ich ebensowenig als Krankheit wie Down-Syndrom, es ist eher eine völlig andere Art der Wahrnehmung, die der Durchschnittsmensch überhaupt nicht nachempfinden kann.
Daß Eric "autistische Züge" haben könnte, hatten wir schon recht früh im Hinterkopf.. So mit 7 -8 Monaten...er war schon immer sehr ruhig und lieb und am intensivsten mit sich selber und dem Betrachten seiner Hände beschäftigt.
In seiner Babyzeit war er vollkommen glücklich, wenn er ein Stück Küchenpapier zum Wedeln hatte.
Dann haben wir den ersten Verdacht ganz lange verdrängt, aber nicht vergessen und es immer auf die Epilepsie bezogen, daß er so ist wie er ist. Es muß einen Zusammenhang zwischen West-Syndrom und Autismus geben, laut Statistik entwickeln ca. 30 % aller Kinder mit West-Syndrom Autismus.
Als Baby hat der Augenkontakt noch relativ gut geklappt, wenn auch nie so lange, und da er unser erstes Kind ist, dachten wir, daß es so normal bei Kindern mit Down-Syndrom ist.
Wenn man jedoch andere
Kinder mit Down-Syndrom im etwa gleichen Alter kennenlernt, fängt man an
sich zu fragen....warum ist unserer so "anders"? Und bemerkt dann,
daß das Verhalten eben doch nicht so "normal" für ein Kind
mit DS ist.
Die anderen Kinder haben ihre Umwelt interessiert beobachtet und ihre Eltern
angelacht...Eric nicht. Er hat immer nur seine Hände bestaunt und Lichteffekte.
Die anderen Kinder zeigen oder gebärdern sogar, versuchen Aufmerksamkeit zu erregen und sich mitzuteilen...Eric nicht, er spricht auch kein einziges Wort. Aber er lautiert und plappert oft vor sich hin.
Eric hatte/hat zB nie ein soziales Lächeln. Er lächelt Leute zwar mal kurz an, aber er lächelt nie zurück als Reaktion, wenn er selber angelächelt wird. Er schaut einen auch an, aber nur flüchtig.
Lange dachten wir auch,
daß er vielleicht schwerhörig sein könnte, weil er niemals
auf Ansprache reagiert...auf kleinste Geräusche allerdings schon.
Die letzte BERA
hat ergeben, daß er sogar sehr gut hört: "Normgerechte Reizverarbeitung
seitengleich".
Desweitern ist (unter anderem) folgendes bei Eric auffällig:
-keine "joint attention" (geteilte Aufmerksamkeit)
-ist distanzlos, geht zu allen Leuten
-er hat nie gefremdelt
-er liebt Tücher und Stoff, Bänder und Gegenstände, die rasseln oder Effekte machen und bewegt diese vor den Augen
-kein Imitieren, kein Zeigen, keine sonstigen Gebärden
-er beleckt alles
-steckt nichts in den Mund
-wedelt stundenlang mit einem Band oder Tuch vor seinen Augen und schaukelt mit dem Oberkörper hin und her
-kein Zeigen, Deuten oder Gebärden...und auch keine Sprache
-kaum Blickkontakt
-dreht sich ständig im Kreis
-liebt exzessives Schaukeln
-hüpft ständig auf und ab (er ist mit seinen 3 Jahren ein meisterhafter Trampolinhüpfer)
-wedelt mit den Armen und Händen, wenn er aufgeregt ist (flattern)
-äußert keine Bedürfnisse (Hunger, Durst, zu warm, zu kalt)
-kaut nicht
-ißt nur gaaanz wenige Dinge (feinst püriert)
-Schlafstörungen (ins Bett gehen und Einschafen ist kein Problem, nur das Durchschlafen)
-liebt Schattenspiele
-ignoriert Personen
-schreitet Räume ab und läuft nur hin und her...er geht nirgends dran. Links und rechts interessieren ihn nicht.
-kichert ganz oft ohne erkennbaren Anlaß (besonders nachts)
-spielt nicht sinnvoll (er schüttelt und wedelt alles nur)
-reagiert immer extrem auf alle Medikamente
-er verletzt sich selber, beißt sich (Autoagressionen)
-knirscht ununterbrochen mit den Zähnen
-wirkt oft rastlos und ruhelos
-und seeeeehr viele Stereotypien
Die offizielle Diagnose "frühkindlicher Autismus" bekam er kurz vor seinem zweiten Geburtstag, also recht früh. (Persönlich finde ich den Ausdruck "Autistisches Spektrum" besser.)
Manche der aufgezählten Eigenschaften kommen natürlich auch bei Kindern mit Down-Syndrom vor. Jedoch ist die Anzahl der Zeichen entscheidend für die Diagnose "Autismus".
Außerdem läuft er draußen nicht, obwohl er in geschlossenen Räumen gut laufen kann. Manchmal macht er draußen schon ein paar Schritte, setzt sich dann aber sofort wieder hin und bewegt sich nicht von der Stelle. Vorwärts kommt man mit ihm nicht, er muß dann getragen werden, was auch nicht immer so einfach ist....erstens vom Gewicht her, und zweitens möchte er auch nicht immer getragen werden und wehrt sich dann entsprechend.
Viele Autisten haben eine Epilepsie....und Erics Form der Epilepsie führt bei ca. 30% der Kinder zu Autismus.
Überspitzt formuliert könnte man eigentlich sagen, daß DS im grunde das Gegenteil von Autismus ist.
Nun ist es aber nicht
so, daß er brütend die ganze Zeit in einer Ecke hockt und vor- und
zurückwippt und brummt...nein, er ist wirlich lustig und aktiv und immer
in Bewegung!
Er ist vielbeschäftigt und er macht nie den Eindruck, daß er gelangweilt
wäre. Er lacht und kichert sehr viel und ist überhaupt recht gut gelaunt
von der Grundstimmung her. Es macht wirklich Spaß, mit ihm zusammen zu
sein. Von Trübsal keine Spur.
Eric ist ein echt fröhlicher und lustiger Typ und macht einen zufriedenen Eindruck. Aber er lebt definitiv in seiner eigenen Welt, man kommt so gut wie nicht an ihn heran. Das ist nicht immer so einfach für uns. Oft kommt man sich austauschbar und ignoriert vor.
Eric bekommt autismusspezifische Förderung in einer Praxis für Autismustherapie, wir sind froh, dort gelandet zu sein!
